Leihgaben, Ankäufe und Stiftungen

Privatsammlungen
in öffentlichen Museen

Private Kunstsammlungen, die ihren Weg in öffentliche Museen finden, sind ebenso zahlreich wie die Konstellationen, in denen die Werke schlussendlich präsentiert werden. Dauerleihgaben, Ankäufe und Stiftungen prägen das Bild: In Folge ein Überblick von der Stiftung Ludwig im mumok über das Leopold Museum bis zur Generali Foundation im Museum der Moderne Salzburg. (Stand: März 2014)

 
Bild © Ali Schafler / picturedesk.com

Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Die Werke aus der 1981 gegründeten Österreichischen Ludwig-Stiftung, in die Irene und Peter Ludwig (zum damaligen Schätzwert von 160 Millionen Schilling) eine Kollektion von Werken mit Schwerpunkt amerikanischer Pop Art und realistischer Kunst einbrachten, sind als unbefristete Dauerleihgabe im mumok zu sehen. Im Gegenzug zur Stiftungsgründung hatte sich der Bund verpflichtet, 30 Jahre lang jährlich einen (wertgesicherten) Betrag von 10 Mio. Schilling zum Aufbau der Stiftung einzubringen. Mittlerweile dient das von der Stiftung erwirtschaftete Eigenkapital derselben als Ankaufsfonds, das mumok kann ebenso wie andere Museen Anträge auf Ankäufe stellen. Fix im Bestand des mumok sind hingegen die angekaufte Sammlung Hahn mit ihrer Konzentration auf Nouveau Réalisme und Fluxus sowie Kunstwerke der Sammlung Dieter und Gertraud Bogner, die seit 2007 als Schenkung im Museum befinden. 

 

Eine zeitlich begrenzte Präsentation einer Sammlung stellt die derzeit laufende Ausstellung mit dem vielsagenden Titel "Musée à vendre pour cause de faillite" (zu Deutsch etwa "Museum wegen Konkurs zu verkaufen") dar: Zu sehen sind Werke der Herbert Foundation. (Stand: März 2014)



 
Bild © Robert Kalb / picturedesk.com

Leopold Museum

Das Museum zeigt die Werke der Sammlung Leopold, die Rudolf Leopold 1994 in die Leopold Museum Privatstiftung einbrachte, die er gemeinsam mit der Republik Österreich und der Oesterreichischen Nationalbank gründete. In diese Stiftung wurde die bis dahin über 5.000 Objekte umfassende Sammlung eingebracht, deren Wert von Experten im Auftrag der Republik damals auf über 7,9 Milliarden Schilling geschätzt wurde. Der Kaufpreis von 2,2 Milliarden Schilling wurde je zur Hälfte vom Bund und von der Österreichischen Nationalbank aufgebracht. Das Leopold Museum im Museumsquartier wurde mit Mitteln des Bundes erbaut, das Haus erhält eine jährliche Betriebssubvention von 2,7 Mio. Euro, die seither allerdings nicht valorisiert wurde. 

 

Schon bald wurde Kritik laut, da das Leopold Museum nicht unter das Rückgabegesetz fällt, da sämtliche Objekte im Eigentum der Privatstiftung stehen. Im Museum selbst weist man anlässlich des möglichen Verkaufs der Sammlung Essl an den Bund auf die "Sammlung Leopold II" hin, die sich in Privatbesitz befindet und deren Erhalt "gleichfalls ein Gebot der Stunde" sei.


2700000 Jährliche Betriebssubvention in Euro

 
Bild © Karl Schöndorfer / picturedesk.com

Sammlung Batliner in der Albertina

Ebenfalls aus einer privaten Stiftung, nämlich der Herbert und Rita Batliner Art Foundation, kommen jene rund 500 Werke, die sich als Dauerleihgabe in der Schausammlung der Albertina befinden. Die 2007 unter Direktor Klaus Albrecht Schröder übernommene Sammlung zählt zu den wichtigsten Privatsammlungen der Welt und enthält Hauptwerke der klassischen Moderne. Der liechtensteinische Mäzen Batliner hatte seine ursprünglich Museum der Moderne beheimatete Sammlung aus Salzburg abgezogen. In Absprache mit dem damaligen Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) befinden sich die Sammlungen Batliner ebenso wie die ebenfalls als unbefristete Dauerleihgabe in der Albertina befindliche Sammlung Forberg in österreichischer Staatshaftung. Eine weitere Dauerleihgabe sind 69 Arbeiten aus der Sammlung Djerassi.

 

Die Übernahme von Sammlungen in der Albertina ist jedoch so alt wie ihr Bestehen: Begründer der Sammlung ist Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738-1822), der gemeinsam mit seiner Frau Marie Christine, einer Tochter von Maria Theresia, den Grundstock für die heutigen Bestände legte.


 
Bild © Herbert Pfarrhofer / APA / picturedesk.com

Sammlung der Generali Foundation
im Museum der Moderne Salzburg

2100 Kunstwerke

Die Generali, das MdM und das Land Salzburg haben im Jänner 2014 einen Dauerleihgaben-Vertrag auf 25 Jahre abgeschlossen. Der Umzug der gut 2.100 Kunstwerke von 250 Künstlern aus dem bisherigen Wiener Standort soll schrittweise bis Ende 2015 durchgeführt werden. Für die Infrastruktur, also die Räumlichkeiten für Ausstellungen, Archiv und Bibliothek und das erst zu bauende Depot muss das MdM sorgen. Die Generali Foundation stellt das bisherige Wiener Ankaufs- und Ausstellungsbudget sowie drei Personalposten (je eine Kuratoren-, Sammlungsbetreuungs- und Restauratorenstelle) zur Verfügung. Neben den Kunstwerken soll auch die wissenschaftliche Fachbibliothek und das gesamte Archiv der 1988 gegründeten Sammlung in Salzburg untergebracht werden.

 

250 Künstler

Die Idee zur Gründung eines Salzburger Museums für moderne Kunst und der Sammlung geht auf die Initiative eines Kunsthändlers zurück, nämlich jener des Salzburgers Friedrich Welz, der einen großen Teil seiner privaten Sammlung dem Land Salzburg übereignete. Er war es allerdings auch gewesen, der von der Galeristin Lea Bondi-Jaray im Zuge der "Arisierung" ihrer Galerie Schieles "Wally" deutlich unter Wert erwarb. Durch seine Freundschaft mit Oskar Kokoschka gelangte so ein beträchtliches Konvolut von Arbeiten des großen österreichischen Expressionisten in die Sammlung Rupertinum.

 
Bild © Rainer Hackenberg / Visum / picturedesk.com

Kunsthistorisches Museum

Aus kaiserlichen und fürstlichen Sammlungen setzt sich der Bestand des KHM zusammen. So finden sich in der Gemäldegalerie Bestände aus den Sammlungen von Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595), Kaiser Rudolf II. (1552-1612) und Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662), die nach einer gemeinsamen Präsentation im Belvedere schließlich 1891 als Gemäldegalerie ins neu gebaute Kunsthistorische Museum an der Wiener Ringstraße transferiert wurden. Seit 1963 sind die Bestände der Kunstkammer, die sich aus Sammlungen von Ferdinand II., Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662) zusammensetzt, wieder im Kunsthistorischen Museum vereint. Auch der Bestand des Belvedere basiert auf Sammlungen des Prinzen Eugen sowie der kaiserlichen Sammlung.

 


 
Bild © Harald Jahn / picturedesk.com

Lentos

Auf der Sammlung des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt (1888-1965), Cousin des Vaters von Cornelius Gurlitt, der in den vergangenen Monaten wegen seiner geheimen Privatsammlung im Rampenlicht stand, baut der Bestand des 2003 eröffneten Linzer Lentos auf. Die Neue Galerie wurde 1946 als Leihmuseum gegründet, Gurlitt stellte der Stadt seine Sammlung für zehn Jahre unentgeltlich zur Verfügung, doch bereits 1953 wurde sie von der Stadt Linz angekauft. Zahlreich Werke hatte Gurlitt in der NS-Zeit auch aus jüdischem Besitz gekauft und sie später in die Neue Galerie der Stadt Linz eingebracht. Seit 2003 musste das Museum bereits mehrere Bilder restituieren. 

 


 
Bild © Ernst Kainerstorfer / picturedesk.com

Privatmuseen

Gerade in den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Sammler entschieden, ihre Werke der Öffentlichkeit mithilfe eines eigenen Privatmuseums zugänglich zu machen.

 


Das jüngste ist dabei das 2013 eröffnete Museum Angerlehner: in Thalheim bei Wels. Heinz J. Angerlehner, Gründer und Eigentümer der FMT Gruppe, einem global agierenden Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Industriemontage und des Industrieservice, sammelt seit mehr als dreißig Jahren zeitgenössische Kunst sowohl renommierter als auch junger, aufstrebender Künstler aus Österreich und dem Ausland. Das Museum wurde am Areal der ehemaligen Konzernzentrale der FMT Industrieholding gegenüber dem Welser Messegelände in Thalheim errichtet.


Das Museum des Industriellen und Kunstsammlers Herbert Liaunig in Neuhaus im Bezirk Völkermarkt zeigt einen Querschnitt der österreichischen zeitgenössischen Kunst von Boeckl und Kokoschka über Rainer und Hundertwasser bis zu Nitsch und Gironcoli. Etwa 2.150 Werke befinden sich im Museum Liaunig, rund 1.800 davon lagern im Depot.


Weniger Glück mit ihrem Museum hatte die Familie Liechtenstein: Der Museumsbetrieb im Gartenpalais Liechtenstein in Wien-Alsergrund wurde Anfang 2012 eingestellt, die Kunstwerke sind nun bei Veranstaltungen und gebuchten Führungen zu sehen. Das im Herbst 2013 nach umfangreicher Renovierung wiedereröffnete Stadtpalais in der Bankgasse in der Wiener Innenstadt ist ebenfalls nur zweimal pro Monat für Besucher geöffnet.